Seit zirka zehn Jahren setzt sich der Innerschweizer Heimatschutz dafür ein, dass mit dem in die Jahre gekommenen Alters- und Pflegeheim Grossfeld ein würdiger Umgang gefunden wird. 2016 erhielt das 1968 fertiggestellte und von Walter Rüssli entworfene Gebäude den Status als schützenswertes Objekt. Einige Zeit später hat die Stadt Kriens einen Wettbewerb lanciert, bei welchem das bestehende Altersheim entweder um- oder neugebaut werden sollte. Eine verpasste Chance: Der erste Preis gewann ein Ersatzneubau, der zweite Preis ging an ein Umbauprojekt. Das gesamte Ensemble wird somit abgebrochen.
Der Innerschweizer Heimatschutz (IHS) wollte gegen den Wettbewerbsentscheid Stellung beziehen, auch mit einer entsprechenden Einsprache. Die Denkmalpflege des Kantons Luzern hatte jedoch ihr Einverständnis bereits gegeben, das Gebäude aus dem Inventar der schützenswerten Objekte zu streichen. Dieser Entscheid hat irritiert. Und damit hat sich für den IHS auch die Chance auf einen Erfolg auf ein Minimum reduziert, weshalb von einer Einsprache abgesehen wurde.
Der IHS hält sich aber vor, nochmals Stellung zu beziehen. Beim Altersheim von Walter Rüssli geht es nicht nur um einen stilprägenden Bau, sondern auch um die grundsätzliche Frage, ob man abreisst oder kreativ weiterbaut (vgl. Teilumnutzung, Hybridlösung, etc.). Die im Bau gebundene Energie (vgl. graue Energie) und Zirkularwirtschaft sind hier zudem wichtige Stichwortgeber, die ebenfalls viel stärker in die Betrachtung einfliessen sollten.
Vor kurzem war die Anlage nochmals im Rahmen des Open House Luzern für die Öffentlichkeit zugänglich. Der grosse Andrang bei den Führungen zeigt das Interesse der Bevölkerung an der jüngeren Baukultur und am Brutalismus. Unverständnis bei vielen, die die Gartenanlage, Sichtbeton-Kapelle, Cafeteria und Speisesaal besichtigen konnten. Eine Stimme bringt es auf den Punkt: Es kann doch nicht sein, dass ein so herausragendes brutalistisches Bauwerk — wohl eines der bedeutendsten in Luzern — komplett abgerissen wird, ohne auch nur Teile davon in eine zeitgemässe Weiternutzung zu integrieren.


